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Android und der Amateurfunk

Ein Gastbeitrag von Michael Renner, DD0UL. Funkamateur, Informatiker, Projektleiter und Journalist

Android und der Amateurfunk

Es gibt unzählige Applikationen für Android-Telefone und -Pads, die von und für Funkamateure geschrieben wurden. Auf meinem HTC One M8 haben
Amateurfunkanwendungen einen eigenen Screen. Auf einen Screen passen 16 Anwendungen – das ist zu wenig, deswegen sind einige
Apps in Gruppen zusammen gefasst.

Messen und Generieren

In diesem Ordner befindet sicht unter anderem Oscilloscpe. Es zeigt die NF am
Mikrofon oder an der 3.5mm Buchse an. Ein nützliches Zubehör dafür ist der
Selbstbau eines Tastkopfs
.
Soundform ist ein einfacher Funktionsgenerator,
der sich auf Sinus, Rechteck- und Dreiecksignale, weisses und rosa Rauschen, Rampen und Impulse von 5 Hz bis 24000Hz einstellen lässt.
Wie viel davon noch aus dem Lautsprecher bzw. aus der 3.5mm Buchse kommt hängt vom Gerät ab, auf meinem HTC One M8 ist bei 15kHz Schluss.
Deutlich umfangreicher aber auch umständlicher zu bedienten ist FuncGen.
Die generierten Signale lassen sich AM, FM und PM modulieren, allerdings konnte ich noch nicht raus finden wie 😉
Dazu kommt ein Sweepmodus. Die Anwendung wird jedoch seit 2010 nicht mehr weiter entwickelt, die im Google Appstore genannte Webseite ist nicht mehr erreichbar.

Grosse Ähnlichkeit mit einem Oszilloskop in einer Gummitülle hat der
Frequency Counter
Er zeigt den Kurvenverlauf und die Frequenz des Signals an.

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Ein guter Spektrumanlyzer für NF ist Audalyzer. Zwischen 0 und 4 kHz wird das Spektrum, der Kurvenverlauf und der Pegel angezeigt.
Die App ist jedoch nicht in Googles Appstore zu finden, sondern muss
händisch
oder via F-Droid installiert werden.
Interessiert nur der Pegel eines Audio-Signals (beispielsweise der Krach neben dem Notstromgenerator beim Fielday) zeigt das
Sound Meter an. Dargestellt
wird auch der Verlauf der Lautstärke über die letzten 30 Sekunden.

Sehr nützlich für die Benutzung von Echolink-Relais mit älteren FM-Geräten ist ein DTMF-Generator. Es gibt unzählige Apps dafür. Ich entschied mich
für den DTMF Transceiver, denn der kann nicht nur Signale generieren sondern auch über das Mikrophon gehörte DTMF-Signale decodieren. Die Anzeige ist einem Tastentelefon nachempfunden,
die Bedienung ist intuitiv.

Die Electronics Toolbox
berecht die Werte für Widerstände, Spulen und Kondensatoren. Die Berechung von Resonanzfrequenzen oder parallelen Widerständen
erfordert nur wenige Berührungen auf dem Bildschirm, das Programm beherrscht jedoch nur die Grundform. „Eingebaut“ ist auch eine Datenbank bekannter Hersteller
von „AMD“ bis „Toshiba Semiconductor“ incl. Link zu deren Webseite. Unter „Resouce“ finden sich allerhand Schaltungssymbole, Details zu TTL und CMOS
Gattern und Erklärungen zu den Zahlencodes auf SMD-Bausteinen. Es gibt mit Electronics Toolbox Pro eine Variante für 2.32 Euro mit zusätzlichen Funktionen.
Nicht unbedingt amateurfunkspzzifisch ist das
GPIO tool for Raspberry Pi
, mit dem sich die Schaltzustände eines im Netz erreichbaren GPIO eines Raspberry Pi abfragen oder setzen lassen.

Digital

Im Ordner Digital liegen glSDR und Tivar. glSDR ist ein Frontend für die auf
ghpsdr3
basierenden SDR Geräte im Internet. Die Bedienung erfordert etwas Gewöhnung,
weil die Bedienelemente eigenwillig auf dem Bildschirm und im Menu verteilt und nicht auf dicke Finger
ausgelegt sind. Unterstützt wird ein TX-Mode, der jedoch Logindaten erfordert. Im Netz finden sich
einige Beschwerden von OMs bei denen das Programm nicht funktioniert. Das scheint sehr vom Gerät oder anderen Umständen
abzuhängen. Trotzdem hat es 4 von 5 möglichen Sternen, auch auf meinem HTC One M8 funktioniert glSDR.

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Was fldigi für den Desktop, ist Tivar für das Mobiltelefon – beides von W1HKJ geschrieben. Tivar beschränkt sich auf den Empfang,
bei den Konfigurationsmöglichkeiten mussten Zugeständnisse an den kleinen Bildschirm des Telefons gemacht werden. Da Tivar nicht im Google Appstore
ist muss die apk-Datei von Sourceforge runtergeladen
und händisch installiert werden.

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Schade, dass glSDR nicht im Hintergrund läuft. Sonst wären Tivar und glSDR ein unschlagbares Gespann beim Empfang und der Dekodierung von digitalen
Signalen auf Kurzwelle. Wenn Tivar und ein SDR-Empfänger gleichzeitig genutzt werden sollen ist das
mobile Interface von WebSDR
eine Alternaive. Der Browser läuft im Hintergrund, Tivar kann dann im Vordergrund decodieren.

CW

Bei den CW-Decodern gibt es zwei weit verbreitete Apps. Der
Morse Code Reader
und der Morse Decoder. Beide verrichten
unter störungsfreien Bedingungen ordentliche Arbeit – im Rahmen des möglichen. Während die Decodierung eines CW-Signals aus dem ans Mikkrofon
gehaltenen Morsetrainer gut funktioniert, gibt es bei verrauschten oder mit Faiding behafteten Signalen in der „freien Wildbahn“
falsche Zeichen. Wer einen CW-Dekoder sucht sollte beide Anwendungen testen und dann entscheiden. Der Morse Code Reader ist kostenlos, während
der „Morse Decoder“ 5.51 Euro kostet. Für euch ausprobiert: Bei beiden Applikationen wird kein Audiosignal angezeigt solang eine andere
Anwendung im Hintergrund läuft die den Mikrofoneingang belegt – beispielsweise Tivar. Die Suche nach dem Fehler kann schon mal einen Nachmittag lang dauern.

weitere Anwendungen

Zu Echolink muss nicht viel gesagt werden, die Anwendung sollte vom Desktop bekannt sein. Doch ein Tipp: Einige Relais (getestet: DB0EL-R, aber wahrscheinlich
auch andere) bringen einen Timeout wenn sie direkt connected werden. Deswegen ist es zuverlässiger einen der vier DARC-Proxyserver zu nutzen (In den Settings unter „Custom Proxy“ einzutragen).

Über QTH
sind nicht viele Worte zu verlieren. Anhand des GPS-Signals wird der Locator des derzeitigen Standorts ausgegeben und gleich in Goolge Maps
angezeigt. Auch die DARC-App
macht was von ihr erwartet wird: Zeigt die Ausgaben der cqDL und die Texte des Deutschlandrundspruchs als pdf an.

APRSdroid
ist für einen Piraten wie mich die freiwillige Bewegungsüberwachung. Der Aufenhaltsort ist öffentlich, selbst der Weg dorthin ist
nachvollziehbar. Die Nutzung beschränke ich deswegen auf Amateurfunkaktivitäten
wie beispielsweise den Weg zum Fielday oder auf die Zeit während der Fuchsjagd. Wie die Positionsdaten „raus gehen“ kann konfiguriert
werden. Da ist zum einen der direkte Weg via TCP/IP. APRSroid kann aber auch AFSK-Töne ausgeben, die dann beispielsweise an einen 70cm TRX gegeben werden.

Mit DroidProp
wird eine Aussage über die Ausbreitungsbedingungen getroffen. Die Bedienung ist nicht 100% intuitiv, deswegen an dieser Stelle eine kurze
Einstiegsanleitung: Zuerst werden unter TX die Standorte eingegeben,
von denen man aus senden möchte. Beispielsweise das Heim-und Urlaubs-QTH. Bei RX werden die Standorte eingetragen die erreicht werden sollen. Das kann Hamburg sein
oder Rio. Eine Suchfunktion hilft dabei den Locator zu ermitteln. Wichtig ist: Sobald die Werte eines Standort eingetragen ist auf keinen Fall den „zurück“ Knopf
drücken sondern oben links das DroidProp-Icon, sonst sind die Werte weg! Mit einer kurzen Berührung der noch leeren Grafik startet die Berechnung. Sie lässt
sich mit einem weiteren Touch formatfüllend auf das Display bringen. Im Beispiel ist dargestellt, welches die idealen Frequenzen sind um von
München mit 10W am Isotropstrahler zu einem Empfänger mit Diplolantenne in Nürnberg durchzudringen.

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Die letzten beiden Programme auf dem Amateurfunk-Screen sind dem internationalen Bakenprojekt gewidmet. Sowohl
NCDXF Beacon
als auch HF Beacon zeigen an welche
Bake gerade sendet. NCDXF Beacon ist hübscher anzuschauen, da die Anzeige graphisch auf einer Weltkarte erfolgt, HF Beacon zeigt dafür zusätzliche
Details wie beispielsweise den eigenen Locator und welche Bake in der letzen Minute und welche in der nächsten Minute aktiv war oder ist.

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Etwas ausser Konkurenz gibt es zwei weiter Apps, die bei auf Fieldays im Zusammenhang mit dem
Schiebemast für die Antenne genutzt werden: Die Wasserwage Bubble und ein
Kompass.

Alle genannten Anwendungen funktionieren auf meinem HTC 8M. Einige nutze ich auch auf einem „ausgemusterten“ HTC One S – alleine schon
um bei denkbaren Überspannungen an den am Audioeingang angeschlossenen Empfängern nicht mein teures „Haupttelefon“ zu zerstören. Da die meisten Anwendungen kostenlos sind
lädt das zum experimentieren ein. Kostenpflichtige Apps sollte man gleich nach der Installation testen und ggf. sofort
wieder deinstallieren – dann erstattet Google das Geld zrück.

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