Spiderbeam! Jetzt ist Schluss mit lustig!

Aufbau

In meinem letzten Beitrag berichtete ich über das 300. bestätigte DXCC, und dass ich die alle mit Vertical Antennen bzw. mit Dipolen gearbeitet habe. Ich berichtete aber auch, dass die Luft nun immer dünner wird. Die DXCC’s, die mir noch fehlen, werden immer seltener und fehlen logischerweise auch vielen anderen im Log. Entsprechend schlimm sind die Pileups, die entstehen, wenn so ein seltener Vogel auf den Bändern auftaucht.

Pileup FT4JA

Pileup von FT4JA

Wie es dabei teilweise zugeht, habe ich an anderer Stelle unter dem Titel „Asoziales Verhalten auf DX Frequenzen“ bereits beschrieben.

Hier noch ein kleines Youtube Video, was ich mal erstellt habe zum DX-Arbeiten mit dem Elecraft P3.

Aus diesen Gründen muss für die noch zu arbeitenden DXCCs eine Richtantenne her.

Da ich hier keine Yagi dauerhaft aufbauen möchte, kommt nur eine Portabelantenne in Frage. Ich möchte die Antenne für angekündigte DX-Peditionen oder auch so, wenn ich Spass dran habe, aufbauen. Eine vielfach, auch bei DX-Peditionen häufig verwendete Antenne, ist der Spiderbeam.

2003 habe ich zusammen mit Torsten, DJ4MG und Ela, DL1TM schon mal den Spiderbeam 1 gebaut. Diesen habe ich aber irgendwann wieder veräußert und habe mir jetzt einen Bausatz des Spiderbeams 2 geordert.


20160406_

Der Zusammenbau des Spiders macht Spass, ist aber auch etwas langwierig. Es muss viel gemessen und geschnippelt werden. Alles sollte so genau wie möglich gemacht werden, damit hinterher die Antenne auf den jeweiligen Bändern richtig spielt.

Werkzeug

Am besten arbeitet man mit einem Maßband, das ist am genauesten. Bei einem Zollstock beispielsweise muss man häufig neu ansetzen und allein dadurch ergeben sich sehr große Ungenauigkeiten. Der längste abzumessende Draht, der Reflektor für das 20 Meter Band, hat immerhin 10 Meter und 32 Zentimeter.

Maßband

Als erstes baut man die Trageplatte und die Fieberglas Steckmasten zusammen und dann fängt man an den Spider zu verspannen.

Grundaufbau

Anschließend beginnt man mit den parasitären Elementen.

Fieberglas Stab Verspannung

Verspannung der Elemente

Hat man alles so weit aufgebaut, geht es an die gespeisten Elemente mit dem Balun.

Balun

Balun mit den gespeisten Elementen

Und wenn nach ca. 20 Stunden alles fertig ist, hoch damit auf den Mast. Ich verwende hier einen Portabelmast mit einer Auszugslänge von ca. 10 Metern.

Aluminium Mast

Antennenmast

Spiderbeam auf dem Mast

Ich musste noch, um den Spider hier aus dem Shack nutzen zu können, ein weiteres Koaxkabel verlegen. Ich verwendete hierfür ca. 50 Meter H 2000 Flex Koaxialkabel mit 2 UHF Steckern. Das H 2000 ist etwas unflexibel und störrisch, hat aber sehr gute Dämpfungswerte. Im 10 Meter Band sind es lediglich 1,93 dB Verlust auf 100 Meter. Heisst also bei meinen 50 Metern hat das Kabel nicht mal 1 dB Verlust. Ich könnte damit sogar einen 6 Meter Beam, oder auch eine 2 Meter Yagi, dann mit einem Verlust von ca. 2 dB, betreiben.

Der Spiderbeam unter den Wolken

Abgleich

Der Abgleich der Antenne war überhaupt kein Problem. Zweimal rauf und runterfahren mit dem Mast und alles passte. Zum Abgleich wurden 10 bzw. 15 cm lange Überstände der gespeisten Elemente an der Abspannung beim Aufbau berücksichtigt. Mit diesen kleinen Drahtstückchen kann man jetzt die 3 Strahler abgleichen. Falls in der Resonanz zu tief werden die Drahtenden einfach ein wenig zurückgebogen und falls die Resonanz zu hoch ist, wird der Draht einfach etwas ausgeklappt.

Die Resonanz ist auf allen Bändern sehr gut.

14.000 SWR 1:1,3
14.200 SWR 1:1,6
14.350 SWR 1:1,8

21.000 SWR 1:1,1
21.200 SWR 1:1,4
21.450 SWR 1:1,5

28.000 SWR 1:1,1
28.500 SWR 1:1,6
29.000 SWR 1:1,8
29.500 SWR 1:2,1

Betrieb

Wow! Der Spiderbeam macht dermassen viel Spass, dass ich vor dem Funkgerät gar nicht mehr wegkomme. Teilweise 10 dB (am kalibrierten S-Meter des K3) besser als meine HyGain AV-640. Das hat mich so wahnsinnig gefesselt, dass ich den ganzen Nachmittag und Abend gefunkt habe.

Ergebnisse aus dem Betrieb sind z.B.:

PY Brasilien
KP4 Puerto Rico
K USA
9M2 West Malaysia
4S Sri Lanka
HS Thailand
T8 Palau
V5 Namibia
A6 Vereinigte Arabische Emirate
A2 Botswana
EP Iran
V4 Saint Kitts

Teils waren das QSOs, bei denen ich ohne Probleme Pileups geknackt habe, an denen ich mit der Vertikal sicherlich deutlichst länger gesessen hätte.

Marc V55DX aus Namibia hat mir abends noch per e-Mail eine Audiodatei geschickt. Jetzt weiss ich, wie ich mich in Namibia angehört habe. Vielen Dank an Marc auch nochmal auf diesem Wege.

Audiofile: DL2YMR in Namibia

 

4 Kommentare
  1. Christoph, DL1DRK
    Christoph, DL1DRK says:

    Hallo Michael,

    Glückwunsch zum Spiderbeam. Wie drehst du denn den Beam? Grobe Voreinstellung in ein gewünschtes Gebiet oder jedes Mal per Hand?

    Vy 73 de
    Chris, DL1DRK

  2. Michael
    Michael says:

    Hallo Chris,

    im Moment genau wie du es beschrieben hast. Wenn DX-Peditionen unterwegs sind, dann in deren Richtung. Ansonsten wir der Mast mit dem Armstrong Rotor, also per Hand, gedreht.

    73 de
    Michael, DL2YMR
    http://www.dl2ymr.de

  3. HB9EMS
    HB9EMS says:

    DR Michael

    Danke für deinen interessanten Blog. Da ich von einigen jüngern Freunden eine 5-Band Spiderbeam auf den runden Geburtstag geschenkt bekam und nun noch vor dem Zusammenbau einige Erfahrungen von weiteren OM suche, bin ich auf deinen Blog gestossen.

    Danke für deine Hinweise betr. Vormontage.
    Was ich aber noch nirgends detailliert gefunden habe, ist der kurzfristige Aufbau und Abbau beim Portabelbetrieb. Wie geht man am Besten vor? Wie packt man eine? Reihenfolge? Auch für Ein-Mann-Betrieb? etc..

    Bin froh um jeden Hinweis!

    73
    HB9EMS

  4. Michael
    Michael says:

    Hallo Markus,

    du kannst alle Abspannseile und Drahtelemente auf die beigelegte Haspel wickeln. Es wird zwar etwas eng, aber es geht. Zur Not schafft man sich noch eine 2. Haspel an, dann hat man eine für die Abspannseile und eine für die Drahtelemente.

    Die Reihenfolge, in der du die Drähte auf die Haspel wickelst, ist in der Aufbauanleitung angegeben. Die Reihenfolge ist für eine sinnvolle „Aufbaureihenfolge“ zu empfehlen. Man arbeitet sich dann quasi beim Aufbau von innen nach außen.

    Hier ein Auszug aus der Anleitung Seite 12:

    Die Elemente passen alle übereinander auf die Rolle.
    Am sinnvollsten wickelt man die Drahtelemente und Abspannleinen wie folgt auf die Rolle:
    – zuerst die gespeisten Elemente, 15m, 20m, 10m
    – dann 20m dir, 20m ref, 10m dir2, 15m ref, 15m dir, 10m ref, 10m dir1.
    – dann die Abspannleinen

    73 de
    Michael, DL2YMR

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